Warum wir nicht gendern

Warum der Cartagena Verlag bewusst auf Gendersternchen, Doppelpunkte und ähnliche Sonderformen verzichtet – und warum das nichts mit Ausgrenzung zu tun hat.

Wir gendern nicht. Ganz bewusst.

Sprache verändert sich. Das hat sie immer getan und das wird sie auch weiterhin tun. Neue Wörter entstehen, andere verschwinden, Bedeutungen verändern sich. Sprache lebt – gerade deshalb sollte man sorgsam mit ihr umgehen.

Im Cartagena Verlag verzichten wir auf Gendersternchen, Doppelpunkte, Binnen-I und vergleichbare Sonderformen. Nicht aus Geringschätzung gegenüber irgendjemandem und auch nicht, weil wir Menschen sprachlich ausschließen wollen. Es ist eine bewusste sprachliche und verlegerische Entscheidung.

Literatur lebt vom Rhythmus, vom Klang und von der eigenen Stimme eines Autors. Texte sollen fließen. Leser sollen einer Geschichte folgen können, ohne ständig über sprachliche Konstruktionen zu stolpern, die außerhalb des eigentlichen Inhalts Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wir sind außerdem der Auffassung, dass Gleichberechtigung nicht davon abhängt, ob ein Wort mit Sternchen, Doppelpunkt oder Sonderzeichen versehen wird. Respekt zeigt sich für uns vor allem darin, wie Menschen miteinander umgehen – nicht darin, wie viele Zeichen man in ein Wort einfügt.

Das bedeutet nicht, dass andere nicht anders schreiben dürfen. Jeder Autor, jeder Verlag und jeder Leser kann für sich entscheiden, welche Form der Sprache er bevorzugt. Wir beanspruchen diese Freiheit ebenso für uns.

Dabei ist uns auch die individuelle Stimme unserer Autoren wichtig. Dialoge müssen so klingen, wie Menschen tatsächlich sprechen. Figuren dürfen unbequem sein, falsche Ansichten vertreten, provozieren oder ihrer Zeit entsprechen. Literatur ist kein sprachlich normierter Raum. Sie darf Widersprüche zeigen und muss nicht jedem gesellschaftlichen Trend folgen.

Der Cartagena Verlag versteht sich als unabhängiger Verlag. Dazu gehört für uns auch, sprachliche Entwicklungen nicht automatisch zu übernehmen, nur weil sie gerade besonders präsent sind.

Wir schreiben und veröffentlichen so, wie wir Sprache für verständlich, lesbar und literarisch überzeugend halten.

Niemand wird ausgeschlossen. Nicht einmal Genoss*innen.

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